Blog 10: Warum es nicht auf die Kamera ankommt – sondern auf den Blick für den Moment
- Maikel Fuhrmann

- Aug 25
- 3 min read
Updated: Aug 31
Viele glauben, dass man nur mit der teuersten Kamera gute Fotos machen kann. Aber so ist es nicht. Eine Kamera kann dir helfen – ein schnellerer Sucher, mehr Megapixel, bessere Dynamik. Aber sie ist nur Werkzeug. Wie ein Auto mit allen Assistenzsystemen, sie können dich unterstützen. Doch wenn der Fahrer nichts taugt, nützen auch die besten Helfer nichts.
Relativ früh habe ich das gemerkt. Mit ein bisschen Glück habe ich die Sony A1 gewonnen. Für viele ein Traum, für mich ein Augenöffner: Ja, sie ist schnell, sie erleichtert vieles. Aber sie macht kein einziges Bild besser. Den Unterschied macht nicht die Technik, sondern der Mensch dahinter.

Technik ist nur Werkzeug – das Auge macht das Bild
Das Wichtigste ist immer das Auge. Die Idee. Der Moment. Ein Auto auf einer Geraden ist ein Auto auf einer Geraden. Ein Auto, das über den Curb fliegt, erzählt eine Geschichte. Spannung. Risiko. Action. Dafür musst du am richtigen Ort sein, geduldig warten und im entscheidenden Augenblick abdrücken.
Ich war mal Verteidiger beim Fußball. Ich musste das Spiel lesen, den Gegner antizipieren. Genau so ist es beim Motorsport: Man sieht, ob der Fahrer zu schnell ist, ob er weit rauskommt oder über den Curb fliegen wird. Aber ob es wirklich passiert, weißt du erst hinterher. Genau da liegt die Magie.
Perfektion ist nicht alles
Ich habe viele Fotos, die technisch nicht perfekt sind und trotzdem meine Lieblingsbilder sind.Einmal wollte ich einen Adrenalin Motorsport M2 mit einem Panning durch die Leitplanke fotografieren. Komplett verschwommen. Eigentlich ein „Fehlschuss“. Aber er hat etwas. Eine Dynamik, eine Ehrlichkeit, die perfekte Bilder oft nicht haben.
Perfekte Belichtung und Schärfe sind leicht. Aber Bilder, die berühren? Die bleiben.

Geduld statt Dauerfeuer
Jede Auslösung kostet Geld. Deshalb halte ich nicht stumpf den Finger drauf. Ich warte. Probiere. Lasse auch mal 2–3 Chancen verstreichen, wenn der Moment nicht passt. Geduld ist ein Teil meiner Routine. Denn ich will nicht 30 Bilder pro Sekunde raushauen – ich will das eine.
Und ehrlich: Manchmal mache ich Pausen. Es gab ein Jahr, da habe ich fast nicht fotografiert. Aber es kribbelt immer wieder. Und sobald ich die Kamera in der Hand halte, bin ich in meiner eigenen Welt.
Fotografie verändert den Blick
Ich wohne in Frankfurt. Am Anfang bin ich mit der Kamera oft ins Naturschutzgebiet gegangen – und war überrascht, wie viel Schönheit direkt vor meiner Haustür liegt. Momente, die man ohne Kamera gar nicht wahrnimmt. Unterwegs ertappe ich mich heute oft dabei, wie ich denke: „Das könnte jetzt ein Bild sein.“ Ob Menschen, Architektur oder Autos – es ist, als ob ich die Welt auf einer anderen Frequenz wahrnehme.
Und das ist es, was Fotografie mit dir macht:
"Du beginnst Dinge zu sehen, die andere übersehen."

Mein Rat an alle Fotografen
Gib nicht auf. Auch wenn es mal keinen Spaß macht oder du satt bist, es kommt wieder.Und lass dich nicht von Technik blenden. Nur weil du 60 statt 25 Megapixel hast, ist das Bild nicht automatisch besser. Ein gelungenes Foto braucht ein Auge und den Finger im richtigen Moment.
Üben, üben, üben. Auch ich trainiere noch am Ring – manchmal weiß ich, dass ich ein bestimmtes Bild nur alle 9–10 Minuten schießen kann. Aber wenn es dann sitzt, ist es alles wert.
Fotografie ist für mich mehr als nur Handwerk.
Sie ist die Kunst, Sekunden unsterblich zu machen!
Und:
Sie ist die Fähigkeit, die Welt mit anderen Augen zu sehen!
Maikel Fuhrmann
Instagram: @fuhrmannfs
Nächste Woche: Warum Motorsportfotografie mehr Teamarbeit ist, als man von außen sieht.




Comments