Blog 11: Motorsportfotografie ist mehr Teamarbeit, als man denkt
- Maikel Fuhrmann

- Sep 1
- 3 min read
Wenn die Leute an Motorsportfotografie denken, haben sie ein Bild vor Augen:Ein Fotograf, irgendwo an der Strecke, die Kamera im Anschlag und Klick. Das Foto ist da.Doch so funktioniert es nicht. Nicht im Motorsport. Hier ist Fotografie kein Einzelkampf, sondern Teamarbeit.
Teil des Teams, nicht nur Beobachter
Wenn ich für Mertens Motorsport unterwegs bin, bin ich kein Gast und auch kein Dienstleister. Ich bin Teil des Teams. Ich spreche mit allen – mit den Mechanikern, die in Sekunden Reifen wechseln. Mit den Fahrern, die angespannt im Grid sitzen. Mit dem Teamchef, der den Überblick behält.
Das ist kein Muss, das ist selbstverständlich. Denn nur wenn ich mittendrin bin, kann ich die Momente festhalten, die zählen.Über die Jahre haben sich bestimmte Fotos fast ritualisiert – Szenen, die einfach dazugehören und die jeder erwartet. Aber genauso wichtig ist es für mich, die Wünsche der Teammitglieder zu hören. Jeder hat seine Sicht, jeder hat das Bild im Kopf, das er sich von „seinem“ Wochenende wünscht. Manchmal heißt das auch: ein Bild noch einmal anpassen, weil jemand nicht ganz zufrieden ist. Eitelkeit gehört dazu und macht es irgendwie menschlich.

Mehr als Fotos: Vertrauen & Verantwortung
Meine Aufgabe geht weit über das Fotografieren hinaus. Ich bin verantwortlich für den gesamten Social Media Auftritt von Mertens Motorsport. Ich plane Inhalte, entwickle Konzepte, produziere Fotos und begleite die Fahrer auch online.
Das bedeutet: Vertrauen. Riesiges Vertrauen. Denn jedes Bild, jeder Text, jedes Posting repräsentiert das Team nach außen. Ich könnte damit viel „Schmu“ betreiben, wenn ich wollte, aber genau dieses Vertrauen ist die Basis dafür, dass ich meine Arbeit frei und kreativ machen kann. Und es ist das, was mich stolz macht.
Vor Ort ist es anstrengend - stundenlang auf den Beinen, durch Regen, Kälte oder Hitze. Die Wochenenden am Nürburgring fordern einen körperlich wie mental. Aber jedes Mal, wenn ich ankomme, fühlt es sich so an, als wäre ich nie weg gewesen. Das ist Familie, das ist Team.
Kommunikation in Sekunden
Manchmal läuft es reibungslos: „In zwei Minuten kommt das Auto in die Box.“ und ich stehe bereit, Kamera gezückt. Manchmal läuft es nicht so gut: Das Auto hat ein Problem, und ich erfahre erst durch die GPS-Auge-App, dass es irgendwo festhängt. Solche Momente sind nervenaufreibend, aber sie gehören dazu.
Das Wichtigste: flexibel bleiben. Ein Rennen ist kein Drehbuch. Was passiert, passiert. Und genau deshalb braucht es Vertrauen, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung.

Warum Motorsportfotografie Teamarbeit ist
Ohne Fahrer kein Rennen. Ohne Mechaniker kein Auto. Ohne Teamchef keine Strategie. Und ohne Fotograf? Keine Bilder, keine Geschichten, keine Erinnerung.
Jeder trägt seinen Teil bei. Motorsport ist keine Einzelleistung, es ist ein Puzzle aus vielen kleinen Stücken. Ich bin eines davon und mein Job ist es, das Puzzle sichtbar zu machen.
Mein Rat an Neueinsteiger
Wer neu zu einem Team stößt, spürt schnell: Die ersten Tage sind hart.Mein Rat: Stress dich nicht. Aller Anfang ist schwer. Aber je schneller du dich wohlfühlst, desto besser werden deine Fotos. Frag nach. Hör zu. Frag Fahrer oder Mechaniker, was ihnen wichtig ist. Erfülle diese Wünsche und alles, was du darüber hinaus einfängst, ist Bonus.
Am Ende geht es nicht darum, sofort der Beste zu sein. Es geht darum, ein Teil der Geschichte zu werden.

Was ich gelernt habe
Durch die Arbeit im Team habe ich gelernt, Menschen besser zu lesen. Ihre Gestik, ihre Abläufe, ihre Routinen. Ich weiß inzwischen, wie Fahrer sich vor dem Start verhalten, wie Mechaniker sich bewegen, wenn ein Boxenstopp naht. Dieses Wissen macht meine Fotos stärker, weil ich antizipieren kann, was passiert.
Vor allem aber habe ich gelernt: Es geht nicht um mich. Nicht um mein Ego. Es geht um das Team, um die Menschen, um die Geschichte, die wir gemeinsam erzählen.
Fotografie im Motorsport ist mehr als nur ein Bild. Sie ist ein Spiegel des Teams.
Und ohne Teamarbeit gäbe es keine Geschichte, die ich erzählen könnte.
Maikel Fuhrmann
Instagram: @fuhrmannfs
Nächste Woche: Warum Fehler in der Fotografie nicht nur normal sind, sondern manchmal sogar wertvoll.




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